Page 28 - AKTUELLE AUSGABE KEMPENKOMPAKT
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MENSCHEN IN KEMPEN















                                                                                Im Sommer 1981 gastierte die
                                                                                berühmte Organistin Marie-
                                                                                Claire Alain (2. v. l.) in Kempen.
                                                                                Hier im Garten der Famile
                                                                                Damm mit dem Organisten und
                                                                                Musikwissenschaftler Prof.   Ludger
                                                                                Lohmann, Walter Damm, Brigitte
                                                                                Damm und Sohn Ludger Damm.
                                                                                Leicht verdeckt Dr. Karl Geuchen,
                                                                                davor Gisela Lohmann (v. l.).

       ses Damm sorgte Ehefrau Brigitte Damm bei   Generationen brachte         ner Jugend doch sogar deutscher Diözesan-
       abendlichen Zusammenkünften für das leibli-  er durchs Latinum           meister  im Sprint  über  die  100 Meter
       che Wohl der Künstler. Das ist das von Walter                            gewesen. Seine Bestzeit lag bei 11:00 Sekun-
       Damm errichtete Fundament, auf dem diese   Viele  Kempener  aber  haben  ihn vor  allem   den, und das  bevor Armin Hary wenig spä-
       so erfolgreiche Konzertreihe bis heute steht.   als Lateinlehrer  in Erinnerung, brachte  er   ter mit handgestoppten 10:00 Sekunden der
                                           doch mehrere Generationen von Kempener   erste und bislang auch einzige deutsche Welt-
       Dabei  verdankt Kempen  nicht  allein  die   Schülern durchs  Latinum. Und fragt  man   rekordler über diese Strecke wurde.
       Konzertreihe Walter Damm. Auch der Bau   ehemalige Schüler, so teilt Walter Damm das
       der  neuen  Albiezorgel  in St.  Marien  Ende   Schicksal so vieler Lateinlehrer: teils verehrt,   Ein Vermächtnis und
       der 70er Jahre und die Rettung der fast 500   teils gefürchtet. Sie beschreiben ihn als „Typ   eine „merkwürdige Ehe“
       Jahre alten Renaissance-Orgel der Propstei-  Universalgelehrter“,  konsequent in  seiner
       kirche gehen  entscheidend auf den Einsatz   Haltung,  „wie ein Fels“ oder auch „ein har-  Wie aber kam es Ende der 70er Jahre über-
       des jetzt über 80-jährigen Gymnasiallehrers   ter Knochen“, stets orientiert am Ideal einer   haupt zu  den Kempener  Orgelkonzerten?
       zurück. Walter  Damm und die  Orgel  also:   Bildung  im klassischen Sinne, skeptisch   Am  Anfang stand ein Vermächtnis. „Ich
                                                                                weiß es noch genau, ich mähte gerade den
                                                                                Rasen, als der Organist vorbei kam und sag-
                             „Wenn das passiert, dann                           te, Propst Johannes  Hüskes  hat in  seinem
                              steht es in der Zeitung!“                         Testament 300.000 Mark für eine neue Or-
                                                                                gel hinterlassen.“ Das war im Jahr 1973, und
                         WALTER DAMM 1976 ZU PLÄNEN, das Gehäuse der
                     Renaissance-Orgel für einen Neubau zu missbrauchen


       „Eine Leidenschaft,  die  mich mehr als ein     gegenüber allen Versuchen, Schulbildung al-
       halbes Leben begleitet“, versichert der pensi-  lein an den Interessen  ökonomischer Ver-
       onierte Oberstudienrat. Geweckt wurde die-  wertbarkeit auszurichten. Dazu passt, dass er
       se Passion durch seinen Großvater, den er als   in Kempen zu den Initiatoren des Volksbe-
       Kind  schon  am Harmonium  bei Gottes-  gehrens gegen die Koop-Schule gehörte, das
       diensten vertrat. „Ich hatte einen sehr guten   Mitte der 70er Jahre die Pläne der Landesre-
       Klavierunterricht gehabt, und über das Har-  gierung zu Fall brachte. Zu seinen Schülern
       monium-Spiel habe ich mich dann der Orgel   gehörten ein späterer Bischof und auch ein
       genähert.“ Schon mit 14 Jahren spielte Wal-  künftiger Bundesligatrainer: Hannes Linßen
       ter  Damm  in seiner Heimatstadt  Fulda die   aus Wachtendonk. „Ein eher  guter  Latein-
       Schulorgel.  Nach seinem Abitur  1957 stu-  schüler“ übrigens, wie sich Damm erinnert.
       dierte  er in Marburg und München Latein   Und auch Mathematik und vertretungsweise
       und Griechisch und kam – nach seinem Re-  selbst Sport unterrichtet Damm am Thoma-
       ferendariat in Krefeld – Mitte der 60er Jahre   eum, war der hochgewachsene Mann in sei-
       ans Thomaeum. Und auch hier spielte  er
       bald  in der  Paterskirche  die  Schulorgel.
       Denn, so Walter  Damm: „Wenn einen  der                Die aus dem Jahr 1541
       Orgelwurm einmal  gepackt hat,  dann             stammende Renaissance-Orgel
                                                         steht nach ihrer Restaurierung
       kommt man davon nicht mehr los.“                     rechts oben im Chorraum.

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