Page 30 - AKTUELLE AUSGABE KEMPENKOMPAKT
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MENSCHEN IN KEMPEN
kung: Im Jahr 1976 beschloss der Kirchen- mierte Konzertreihe über vier Jahrzehnte
vorstand, das Renaissance-Gehäuse unange- organisiert, bei freiem Eintritt, nur unter-
tastet an seiner Stelle zu lassen, und - zweitens stützt durch eine freiwillige Kollekte.
– die neue Orgel am Westende der Kirche
über dem Eingang zu errichten. Die Renaissance-Orgel:
Ein echter Kriminalfall
Schnell fiel dann auch die Entscheidung, den
Auftrag an den Lindauer Orgelbauer Win- Bleibt noch Walter Damms unermüdlicher
fried Albiez zu vergeben, der schon im Mai Kampf um die Rettung der kunsthistorisch
1979 das Instrument anlieferte, das dann am so bedeutsamen Renaissance-Orgel. Aus-
22. September erstmals öffentlich erklang. führlich dokumentiert ist er in dem schon er-
Die lateinische Inschrift auf dem Rückposi- wähnten Beitrag im Heimatbuch des Krei-
tiv der Orgel lautet übersetzt: „Diese Orgel ses. Und dieser Bericht liest sich nicht nur
„Propst Reuter war ein Segen
für die ganze Geschichte.“
WALTER DAMM ÜBER DEN EINSATZ
Josef Reuters für den Orgel-Neubau
hat aufgrund seines Testaments Johannes wir ein Krimi, er behandelt auch tatsächlich
Hüskes, Propst von Kempen, errichten las- einen echten Kriminalfall, der allerdings
sen. Zur größeren Ehre Gottes konnte die- schon weit über 100 Jahre zurückliegt. Denn
ses Werk durch die Freigebigkeit vieler voll- damals verschwand das Rückpositiv der
endet werden im Jahr des Herrn 1979.“ Kempener Orgel. Vieles spricht dafür, dass
Denn neben dem schon erwähnten Ver- es sich heute im Museum für Kunst und Ge-
Nicht nur Dekoration, sondern durchaus mächtnis über 300.000 Mark sammelte werbe in Hamburg befindet. Und Walter
kirchenpolitisches Programm, wie eine auch der Orgelbau-Verein weitere 300.000 Damm zeichnet auch den Weg nach, den
Studie Walter Damms nahelegt: Die Mark. Daraus entstand dann – bis heute ge- dieses Kunstwerk offenbar nahm: Wahr-
geschnitzten Porträts der Renaissance-
Orgel zeigen Personen, die sich auf leitet von Walter Damm – der Förderkreis scheinlich verkaufte der damalige Vorsitzen-
unterschiedliche Weise zu Beginn des Kempener Orgelkonzerte, der diese renom- de des Kempener Altertumsvereins Konrad
16. Jahrhunderts um die Kirchenreform
verdient gemacht hatten. Im Zentrum
der damalige Kempener Amtmann
Wilhelm von Rennenberg (Foto).
Zur Person: hat. Sohn Burkhard Damm, geboren
1969, ist nach seinem Studium der Gar-
Walter Damm tenarchitektur bei der Stiftung Museum
Insel Hombroich verantwortlich für den
Geboren 1937 in Düsseldorf, wuchs Bereich Park und Gebäude.
Walter Damm in seiner Heimatstadt
Fulda auf. Hier machte er 1957 auch Nachdem das Fach Griechisch den
sein Abitur, dem sich ein Latein- und Bildungsreformen der 70er Jahre zum
Griechisch-Studium für das Lehramt an Opfer gefallen war, absolvierte Walter
den Universitäten Marburg und München Damm eine zusätzliche Ausbildung
anschloss. Nach seinem Referendariat zum Mathematik-Lehrer. Bis zu seiner Rennenberg“ (2004) zeigte Walter Damm
in Kempen und Krefeld kam er Anfang Pensionierung im Jahr 2002 unterrichtete überzeugend, dass die Porträt-Köpfe am
der 60er Jahre als Latein- und Grie- er am Thomaeum vorwiegend Latein und Gehäuse der Renaissance-Orgel nicht
chischlehrer ans Thomaeum in Kempen. Mathematik. Neben seiner Tätigkeit als – wie lange von der Forschung angenom-
Hier heiratete er 1966 auch seine Frau Gymnasiallehrer legte Damm auch eine men – bloße Dekoration sind, sondern
Brigitte. Brigitte und Walter Damm haben Reihe Veröffentlichungen vor. So eine einem ikonographischen Programm mit
zwei Söhne. Sohn Ludger Damm, geboren 48seitige Festschrift zum 350jährigen Ju- dem Kempener Amtmann im Zentrum fol-
1967, ist ein bekannter Saxophonist, der biläum des Thomaeums (2009) und eine gen. Im Heimatbuch des Kreises Viersen
sich nach seinem Studium der Romanis- Untersuchung über Wilhelm von Ren- 2017 schließlich findet sich seine hoch-
tik und Geschichte zudem einen Namen nenberg und die Reformation in Kempen interessante Darstellung der Geschichte
als Übersetzer spanischer Lyrik gemacht (1997). Unter dem Titel „Fantasia sopra der Kempener Renaissance-Orgel.
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